Wer ist unser von außen kommender Gesprächspartner auf der Huysburg?

 

Hubertus Halbfas, geboren 1932, Dr. theol., Professor em. für Religionspädagogik, lebt jetzt wieder mit der Familie in seinem Elternhaus im Sauerland.

Er ist im Erzbischöflichen Kommissariat Magdeburg kein Unbekannter gewesen. Manche ganz Alten unter uns haben vielleicht noch eine  Erinnerung an seinen Vortrag im Mai 1968 in Rossbach. In dieser Zeit nach dem Konzil fühlten wir uns bereit für einen Aufbruch und einen Umbau des alten Gehäuses Kirche, auch als Beispiel für eine ebenso reformbedürftige Welt. Katechetisch orientierte Theologen wie Professor Halbfas gaben uns dafür Werkzeuge zum Selbermachen in die Hand. Haben wir diese Werkzeuge - wie seine damals berühmte „Fundamentalkatechetik“  für die Weitergabe einer zu recht in Verruf gekommenen, aber zweifelsfrei kostbaren Tradition genutzt?

Der schon von uns Alten empfundene Traditionsbruch führt uns mit Jüngeren zusammen in dem beklemmenden Gefühl, womöglich einer Erziehungsaufgabe nicht gerecht geworden zu sein. Weil wir etwas in untauglich gewordener Verpackung nicht weitergeben wollten, haben wir womöglich gar nichts weitergegeben? Professor Halbfas hat seine ganze Berufszeit dieser Aufgabe gewidmet mit vielen Veröffentlichungen, die wir in unseren Breiten nicht ausreichend wahrnehmen konnten oder wollten. Deshalb wird er ein ganz kompetenter Begleiter unserer Begegnung auf der Huysburg sein.

Seine jüngste Veröffentlichung „Das Christentum. Erschlossen und kommentiert von Hubertus Halbfas.“, (Düsseldorf  2004, 591 Seiten, 58,- Euro) gibt Zeugnis von seinem Lebenswerk als inhaltlichem und methodischem Beitrag zu einem heute dringend notwendigen neuen Umgang der Religionen mit ihren Traditionen. Er kann mit diesem Kompendium dazu helfen, dass „einmal in der Breite des christlichen Volkes das erreichte kritische Bewusstsein bei gleichzeitiger mystischer Frömmigkeit zusammenfinden“. Das könnte „dem Christentum die notwenige kulturelle Sprachfähigkeit zurückgeben und es zugleich befähigen, sich im Weltgespräch der Kulturen und Religionen vermittelnd zu bewähren.“ (ebd. S.13)

Es ist eine wirklich neue Hauspostille geworden, die nicht mehr die patriarchalisch geordnete Familie um den Tisch versammelt, sondern auch die partnerschaftlich geprägte Familie oder Wohngruppe abends am Tisch zum gemeinsamen Lesen bringen könnte. „Die Vielzahl der Christentümer gestattet in diesem Buch keine Identifikation mit einer einzelnen Konfession. Darum wechseln die Perspektiven; sie sind mal von innen angeknüpft, mal von außen auf das Geschehen gerichtet. Neben Zeugnissen aus orthodox –kirchlichem Selbstverständnis kommen andere aus gegensätzlichen, sich nicht minder christlich verstehenden Positionen.“

Ich habe keinen Werbeauftrag, sondern Erfahrung mit dieser Postille gesammelt. Zwei meiner Schwestern hatten mir in immer berechtigter Sorge um meinen rechten Glauben dieses teure Geburtstagsgeschenk gemacht. Da ich meine, mit den Absichten von Halbfas vertraut und auch umgegangen zu sein, dachte ich zunächst, dass ja meine Schwestern das Buch lieber sich hätten selber schenken sollen. Aber inzwischen habe ich mich schon häufig darin festgelesen und es  auch als Hauspostille am uneinheitlichen Familientisch ausprobiert.

Wer also nicht gerade zum Prekariat gehört, und ein etwas besonderes Weihnachtsgeschenk sucht, sollte den Kauf dieses auch in der Ausstattung respektablen Buches erwägen.

Auf jeden Fall könnte es – wenn auch nicht gerade als Pflichtlektüre - eine gute Vorbereitung auf unsere Begegnung im März sein.

                                                                                                                                                                            Josef Göbel