Kurzbericht zum Stand des PZG

Seit Januar 2001 läuft im Bistum Magdeburg ein Pastorales Zukunftsgespräch (PZG), an dem auch der AKH sich durch Eingaben beteiligt hat. Wir sind durch unseren Vertreter im Magdeburger Katholikenrat sowie durch die Möglichkeiten der „Gemeindediskussion“ auch weiterhin an diesem Gespräch beteiligt.

In seinem Rundbrief vom April 2001 hat der Sprecherkreis seine Eingaben veröffentlicht, die sich mit den Stichworten „Neuinterpretation des Glaubens“, „Pastorale Gemeindestruktur“, „Ökumenische Gemeinde“, „Verständnis der Kirchenämter“, „Änderung des Kirchensteuereinzugs“ und „Über den Umgang mit Grund und Boden“ umschreiben lassen. Ein konkretes Papier dazu wird es nur zur Ökumene geben. Inwieweit sich unsere Denkansätze dort wiederfinden, muss dahingestellt bleiben, bis das Papier nach der 1. Lesung wieder als Gesprächsvorlage in die Gemeinden kommt. Mit einer Veröffentlichung ist erst im Laufe des Frühjahrs zu rechnen. (Wer sich für einzelne Texte interessiert, finden sie im Internet unter www.bistum-magdeburg.de/pzg.)

Unsere anderen Eingaben kann man vielleicht thematisch, aber nicht erkennbar inhaltlich(!) im „Leitbild“ wiederfinden. Die jetzt vorliegende Diskussionsvorlage zum Leitbild unter der Überschrift: „Der Hoffnung Raum geben, Positionen und Perspektiven der Katholischen Kirche im Bistum Magdeburg am Beginn eines neuen Jahrtausends“ formuliert in ihrem entscheidenden Abschnitt: „Wir vollziehen eine Wende: wir verharren nicht mehr In der Mentalität eines Diaspora-Bistums, zu dem es fast schicksalhaft zu gehören scheint, dass es klein Ist und immer mehr schrumpft. Stattdessen nehmen wir die Herausforderung an, ein missionarisches Bistum zu sein, weil wir zutiefst davon überzeugt sind, dass unsere Kirche eine Mission für die Menschen unserer Zeit hat.“ Zur Erklärung des Begriffs Mission wird dann in 7 Stabstrichen fast eine Seite Text nachgereicht, um Missverständnisse zu vermeiden.

 Da wir weder die unterschwellige Ablehnung des Begriffs „Diaspora“ teilen, noch uns vorstellen können, dass die Begriffe „Mission“ und missionarisch“ im heutigen gesellschaftlichen und ökumenischen Umfeld besonders hilfreich sind, haben wir für diese Passage folgenden Änderungsvorschlag eingereicht:„Den Text (gemeint ist das o.g. Zitat und alle Stabstrich-Erläuterungen dazu) aus der Vorlage streichen und durch den folgenden ersetzen:

„Wir streben einen Mentalitätswechsel an: Von der Ghetto-Mentalität als Reaktion auf die Anfeindungen der DDR-Zeit hin zu einer Mentalität der Teilhabe am Schicksal der Menschen und an den Entwicklungen in der Gesellschaft – lokal, regional und global. Weil wir zutiefst davon überzeugt sind, dass wir eine Botschaft zum Heil anzubieten haben, nehmen wir die Menschen ernst in ihrer „Freude und Hoffnung, Bedrängnis und Trauer“(s. Vat II, GeS 1) und wir bringen uns ein in die aktuellen und grundsätzlichen Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Dabei müssen wir uns fähig machen, Zeugnis zu geben von der Hoffnung, die uns antreibt und trägt (s. Petr.1; 3,15).“

Dazu die kurze Begründung: „Wir sollten „Diaspora“ eigentlich als soziologisches Faktum begreifen oder sogar im Rahnerschen Sinn als „heilsgeschichtliches Muss“ vertiefen. Die Begriffe Mission und missionarisch sind historisch so besetzt, das alle Erklärungsversuche das Missverständnis des „Bekehrens um jeden Preis“ nicht ausräumen werden.“

Die meisten unserer Eingaben sind, wie ja auch nicht anders zu erwarten war, in dem auf unserer VV vom Herbst 2001 so intensiv thematisierten „Themenspeicher“ verschwunden. Die jetzt konstituierte Bistumsversammlung (alle „Räte“ auf Bistumsebene und zusätzlich vom Bischof Berufene), die alle bisher erstellten Texte in 2. und 3. Lesung und nach Gemeindediskussion bearbeiten und beschließen wird, hat auch eine Arbeitsgruppe „Themenspeicher“ eingesetzt, die dem Bischof Empfehlungen erarbeiten soll, wie mit diesen Themen, die auf Bistumsebene nicht bearbeitet werden können, weiter verfahren werden soll.

Wenn es also auch keine Revolution aus Magdeburg geben wird, so ist man sich offensichtlich doch bewusst, das vieles, was dem „Volk Gottes“ unter den Nägeln brennt, nicht verschwiegen werden kann.

                                                                                                                                    Helmut Hiller