Zwischenruf

 

Wenn es um nichts weniger geht als um die Gottesfrage selbst, dann ist kein Platz mehr für eine Ausuferung der Theologie in ein immer breiteres Filigran, Es braucht eine geistige Konzentration auf die Zentralfragen des Menschen und des Christentums.

Wir verlieren uns in der Theologie, in der Kirche im Streit von Randfragen, derweil wir in diese Zeit und in diese Welt die zentrale Botschaft des Christentums richten müssten: Die Botschaft vom lebendigen Gott, „dem unergründlichen Geheimnis unseres Daseins“ (Karl Rahner), der „alles bestimmenden Wirklichkeit“ (Heinrich Fries), die Botschaft von Gott, der unser Anfang und unser Ziel ist, unser tragender Grund und die Quelle allen Lebens. Die Botschaft von Gott, dem „Heil der Welt und des Menschen“ (Walter Kasper).

Die Zeichen der Zeit erfordern eine Konzentration auf den Kern; darauf, Gott aus der fernen Erinnerung der Menschen in ihre Gegenwart zurückzuholen. Dies ist der wichtigste Dienst, den die Kirchen heute den Menschen gemeinsam leisten müssen.

Deshalb ist es doppelt skandalös, wenn die Kirche aufgrund der Zulassungsbeschränkungen zum geistlichen Amt das Recht der Gläubigen auf die sonntägliche Eucharistie vernachlässigt.

Obwohl das Kirchenrecht und das Bewusstsein der Gläubigen auf die Teilnahme an der Eucharistiefeier gerichtet ist, nehmen die Wortgottesdienste ständig zu. Das alles läuft nicht unter Neuverordnungen, sondern mit den Wohlfühlworten „Seelsorgeeinheit“ und „von der betreuten zur lebendigen Gemeinde“.

Ohne diese Verschleierung ist es Geist der Verzagtheit, des Rückzugs, der kleinen Herde.